Erdkunde zum Anfassen: Regionale Ernährung im Winter?

Eintrag von am 9 February 2018 | Kommentare

Grundschüler des „Prima Klima Clubs“ besuchen REWE-Markt

„Ich hab hier eine Avocado! Wo liegt denn Peru?“ Solcherlei Fragen stellten Grundschüler des Prima Klima Clubs der Grundschulstandorte Harmonie und Eitorf in der REWE Obst- und Gemüseabteilung. Mit einer Weltkarte und einer Europakarte unter den Armen, besuchten sie am 17. Januar 2018 den REWE-Markt im Eitorfer Ortszentrum. Ziel war es zu erforschen, was klimafreundliche, also vor allem regionale und saisonale Ernährung im Winter eigentlich bedeutet – „Erdkunde zum Anfassen“.

Dazu suchten die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung einer REWE-Mitarbeiterin für jede einzelne Obst- und Gemüsesorte ihr Herkunftsland heraus und klebten das zugehörige Foto auf die Welt- oder Europakarte: Wer jetzt klimafreundlich Gemüse aus Deutschland essen möchte, kann zu Möhren, Kürbis, Rotkohl, Weißkohl, Rosenkohl, Rote Bete, Lauch und Sellerie greifen, stellten die Kinder dabei fest. Aus Spanien stammten Orangen, Paprika, Tomaten, Gurken und Zucchini. Die Schüler staunten über die besonders weite und CO2-intensive Anreise der Bananen, Ananas, Honigmelonen und Physalis aus Lateinamerika, aber auch der Datteln, Erdnüsse und aller Bohnensorten aus Afrika. Äpfel kamen auch im Januar nicht mehr nur aus deutschen Kühlhäusern, sondern auch aus Neuseeland, die Birnen aus Argentinien und Südafrika.

Freundlicherweise stand den Kindern der stellvertretender Marktleiter Herr Bröckel für ein Interview zur Verfügung. Mit Mikrofon und Aufnahmegerät in der Hand, stellten sie die Frage, wo denn im Winter eigentlich Erdbeeren herkämen. Sie befragten ihn auch nach dem Obst und Gemüse, das REWE im Januar aus der Region anbieten kann – wie Kartoffeln oder Äpfel – und nach dem, was eine besonders weite Anreise hinter sich hat. Schließlich wollten die Kinder wissen, ob Bio-Lebensmittel besser fürs Klima sind als konventionelles Gemüse, und ob Herr Bröckel eigentlich selbst beim Einkauf auch auf das Bio-Zeichen achtet.

Heiße Diskussionen entfachten, als die REWE Marktleitung allen Grundschulkindern – in guter Absicht! – auf Kosten des Hauses fruchtige Capri Suns zur Stärkung bereit stellte. Erst wollten einige durstige Kinder begeistert zugreifen. Plötzlich häuften sich jedoch kritische Einwände: Die vielen exotischen Früchte in jeder Capri Sun mussten aus fernen Ländern anreisen – ungünstig für die CO2-Bilanz und damit fürs Klima. Da die Kinder kein Bio-Zeichen auf der bunten Verpackung entdecken konnten, mussten sie davon ausgehen, dass die Früchte mit Pestiziden gespritzt wurden.

Zudem berichtete eine Mama, dass die leeren, nicht recycelten Tüten nicht verrotten könnten. Vielmehr würden sie sich zerkleinern und rund um den Erdball verteilen. Über den Boden nähmen Pflanzen und Landtiere die Verpackungsreste auf. Als Mikroplastik fänden wir sie im Meer und in den Meerestieren. Schon heute könnten wir im Blut eines jeden Menschen die Reste solcher Verpackungen aus Aluminium und Kunststoff nachweisen. Der ungesund hohe Zuckergehalt der Capri Sun kam dabei nichtmals zur Sprache.

„Nehmen wir das Geschenk nun an?“, fragte Carmen Ulmen, die Leiterin des Prima Klima Clubs die Kinder einzeln. Viele waren unschlüssig. Der rettende Vorschlag folgte bald: Wir kauften regionalen Apfelsaft mit Bio-Siegel – und lehnten das freundlich gemeinte Geschenk der REWE-Marktleitung tatsächlich ab. Ein aufregender Ausflug!